Um die wichtigsten Schaltkreise im Gehirn aufzubauen, brauchen Kinder vor allem eins: eigene Körpererfahrung. Nur wer das richtige Gefühl für seinen Körper entwickelt, kann auch seine kognitiven Potenziale entfalten. 
                                                                                                                                                Prof. Gerald Hüther

 

Die Natur als Lernort, der Kindergarten als Abenteuerspielplatz

 

Kindheit spielt sich immer mehr nur in Wohnungen und Häusern ab. Warme, beheizte Räume, kurze Wege von Zimmer zu Zimmer. Das kann zu Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen oder zu sozialen Defiziten führen.

An unseren Waldtagen haben wir die Möglichkeit, über direkte Naturbegegnung und Sensibilisierung aller Sinne zu lernen, Zusammenhänge wahr zu nehmen.

Erde in den Händen fühlen, Sonne, Wind und Regen im Gesicht spüren, auf Baumstämmen balancieren. Käfer auf unserer Haut kriechen lassen, den Wald als lebendige Spiel- und Erlebniswelt erfahren.

Im Wald werden Hindernisse wie Steine, Stöcke, Wurzeln, Erdhügel überwunden. Kein Schritt gleicht dem anderen. Wahrnehmung, Kondition, Gleichgewichtssinn und Körpergefühl werden gestärkt.

Der Phantasie der Kinder sind keine Grenzen gesetzt. Die Kinder brauchen keine Anleitung, sie entfalten ihre Kreativität und gestalten ihre Umgebung ohne jedes Zutun.

Durch die räumliche Weite entstehen weniger Konflikte, Sozialverhalten und Kommunikation werden gefördert.

Dies sind nur einige Gründe, warum wir uns für 2 fixe Waldtage in der Woche entschieden haben. Wir sind davon überzeugt, den Kindern mit diesem Angebot wertvolle Erfahrungen zu bieten!

Bewegung und der Bezug zur Natur sind uns auch an den Tagen, die wir nicht im Wald verbringen, sehr wichtig. Wir nutzen unseren Bewegungsraum täglich, wir halten kindergarteneigene Hühner und Hasen, die gemeinsam mit den Kindern gefüttert und gepflegt werden. 

Aber auch die im Jahreskreislauf angesiedelten Themen werden im Kindergarten mit den Kindern besprochen und "erarbeitet". Im Oktober das Erntedankfest, im November St.Martin, der Dezember gehört dem Nikolaus und dem Weihnachtsfest. Danach folgt schon der Fasching, Ostern, Muttertag, Vatertag und dann der Jahresabschluss. Somit sind natürlich schon viele Themen übers Jahr vorgegeben. 

Wichtig für uns ist, dass sich die Kinder im Kindergarten wohl und geborgen fühlen. Es ist uns ein Anliegen, die Kinder dort zu unterstützen, wo es notwendig ist und ihnen genügend Freiraum zu geben, um ihre Persönlichkeit zu entfalten. 

Der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther meint: "Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung ist, dass das Hirn nicht so funktioniert wie ein Muskel. Das kann man nicht trainieren durch Brainjogging oder stures Auswendiglernen. Damit im Hirn langfristig etwas verankert werden kann, muss das, was man lernen will, unter die Haut gehen. Die wichtigere Möglichkeit sich Wissen anzueignen, besteht darin, mit anderen Menschen Wissen auszutauschen, weil Wissen allein einem ja noch nicht hilft, sich in der Welt zurechtzufinden. Viel wichtiger als Wissen ist ja Erfahrung. Ich muss auf andere Menschen zugehen können, dazu brauche ich soziale Kompetenz, und die hat ganz viel mit Mitgefühl und Einfühlungsvermögen zu tun. Kinder sollten also vor allem zwei Dinge lernen, nämlich wie viel Freude es macht, wenn man sich Wissen erschließt, und dass es nichts Schöneres gibt, als sich Wissen von anderen Menschen zu erschließen, mit denen ich in eine Begegnung komme.

Das erfolgreichste Lernmodell der Evolution ist: wenn Kinder miteinander spielend die Welt entdecken, und je unterschiedlicher die Kinder sind, desto besser! Es passiert etwas wunderbares - sie lernen sich in ihrer Unterschiedlichkeit kennen und wertschätzen"

Was bei allem Tun, Begreifen, Lernen, Erfahrungen sammeln, lachen, weinen, streiten, versöhnen und wachsen auf keinen Fall fehlen darf, ist am Besten mit einem Zitat von Astrid Lindgren gesagt:

"Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen."